Kurzbeschreibung
Die Gezeiten, an der deutschen Nordseeküste Tiden genannt, sind eine Erscheinung, die sich auf der gesamten Erde im regelmäßigen Heben und Senken der Meeresoberflächen äußert, was durch die Anziehungskraft (Massenwirkung) zwischen Mond und Sonne einerseits und der Erde andererseits bewirkt wird. Besonders eindrucksvoll sind Ebbe (Sinken oder Fallen des Wassers) und Flut (Steigen des Wassers) im Wattenmeer zu beobachten, wo bei Niedrigwasser weite von Prielen durchzogene, trockengefallene Sand- und Schlickflächen eine einzigartige geschützte Naturzone darstellen. Der mittlere Zeitunterschied zwischen zwei Hochwasserständen beträgt 12 Stunden und 25 Minuten. Bei Neumond und Vollmond verstärken sich die Kräfte und es herrscht extremes Niedrig- und Hochwasser, die sog. Springtiden. Steht der Mond im ersten oder letzten Viertel, sind die Höhendifferenzen gering, es herrschen die sog. Nipptiden. Weht bei Springflut auflandiger Sturm, so besteht Sturmflutgefahr und Überflutung des eingedeichten Festlandes, das gefürchtete Landunter.
Details
Durch die Anziehungskraft des Mondes werden die Wassermassen angezogen, die dann einen so genannten Anziehungsberg bilden. Auf der dem Mond abgewandten Erdseite steht dem Anziehungsberg ein Fliehkraftberg gegenüber.
Nicht nur der Mond, sondern auch die Bewegung der Sonne hat Einfluß auf die Wassermassen auf der Erde. Wenn Sonne und Mond auf einer Linie stehen - wir sprechen dann von Voll- oder Neumond - verstärken sich die Kräfte, die auf das Wasser einwirken. Das Hochwasser fällt dann höher, das Niedrigwasser niedriger aus als für gewöhnlich. Hier liegt eine Springtide vor.
Stehen Sonne und Mond in einem Winkel von 90° zueinander, haben wir Halbmond und das Wasser wird von den beiden Himmelskörpern in unterschiedliche Richtungen gezogen. So kommt es, dass das Hochwasser niedriger und das Niedrigwasser höher ausfällt als sonst. Diese Erscheinung wird Nipptide genannt.
Leichter erklärt bedeutet dies: der Wassergehalt auf der Erde ist immer gleich. Nimmt man nun an einer Stelle etwas weg, so muß es folglich an der anderen Stelle wieder auftauchen.
Aber wie kommt es nun zu Hoch- und Niedrigwasser? Die Wasserberge liegen immer an der gleichen Stelle, nämlich immer genau auf einer Linie zum Mond. Da die Erde sich in 24 Stunden einmal um sich selber dreht, dreht sie sich folglich durch die Wasserberge. Die Tatsache, dass wir nicht jeden Tag zur gleichen Zeit Hochwasser haben, ergibt sich aus folgendem Grund: die Erdzeit richtet sich nach der Sonne, das Wasser jedoch wird durch den Mond beeinflußt. Der Mond braucht für eine Erdumdrehung nur 28 Tage, die Erde muß sich dem Mond also etwas "hinterher drehen". Das führt dazu, dass der Zeitraum von einem Niedrigwasser zum nächsten 12 Stunden und 25 Minuten beträgt.
Der Tidekalender
Wichtig für das Leben an der Küste ist der Tidekalender. Er wird herausgegeben vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH). Der älteste nachweisbare Kalender stammt aus dem Jahre 1902, dessen Vorausberechnung vermutlich durch die Forschungen Isaac Newtons (1634 - 1717) ermöglicht wurden. Der aktuelle Tidekalender ist hier zu finden. Schon kleine Abweichung können beispielsweise für Fährschiffe von großer Bedeutung sein, die dann nur noch verspätet bzw. gar nicht mehr fahren können.
Pegelablesung
Erst seit 1920 gibt es regelmäßige Pegelablesungen, die entweder bei Hoch- und Niedrigwasser oder um 12 Uhr mittags vorgenommen werden. Lattenpegel - die älteste Pegelart - sind eingeteilt in Dezimeter. Seit 1935 werden alle Pegel auf den Amsterdamer Pegel, den tiefsten Messpunkt Europas, eingemessen. Der Nullpunkt liegt auf - 5 m NN. So werden Verwechslungen oder Minuswerte ausgeschlossen.
Wind- und Sturmfluten
Windfluten erreichen Wasserstände bis zu 1,2 m über dem mittleren Hochwasser (MHW). Sie sind meist in den Sommermonaten zu erwarten, von ihnen geht keine Gefahr für Inseln und Küste aus. Leichte Sturmfluten mit Wasserständen bis 2,4 m treten zwischen Oktober und März auf. Die schweren Sturmfluten treten nur im Winter in Erscheinung. Sie erreichen Wasserstände bis 3,2 m über dem MHW. Sie können große Schäden an Deichen und dem küstennahen Umland hinterlassen, unter Umständen sind sogar die Küstenbewohner in Gefahr und müssen evakuiert werden.
Quelle: Klaas Beck & Heino Comien
